KIBOU

KIBOU

Kibou ist ein junges Hundemädchen, das seine Umwelt nicht mit den Augen, sondern vor allem über Nase, Ohren, Berührungen und vertraute Abläufe wahrnimmt. Blindheit nimmt einem Welpen nicht die Fähigkeit zu lernen oder Lebensfreude zu entwickeln.

Kibou ist eines von ursprünglich zehn Babys von Novia. Als ihre Mutter zu einer Kastrationskampagne in Bologa gebracht wurde, verschwieg der Halter zunächst, dass Novia wenige Tage zuvor Welpen bekommen hatte. Drei bis vier Stunden später kam er mit einer Kiste zurück, in der die zehn winzigen Geschwister lagen. Novia war schwer geschwächt, untergewichtig und dehydriert und konnte ihre Babys nicht ausreichend mit Milch versorgen.

Die Helfer sprangen ein und fütterten die Welpen mit der Flasche. Unterstützung kam von Fiene, die selbst gerade zwei Welpen hatte und mehrere von Novias Babys ohne Zögern mitversorgte. Leider starben zwei der zehn Kleinen. Kibou gehört zu den acht Überlebenden. Zusätzlich bringt sie eine Besonderheit mit: Kibou ist blind. Das macht sie nicht weniger lebensfroh oder lernfähig, bedeutet aber, dass ihr zukünftiges Zuhause besonders verlässlich und gut strukturiert sein sollte.

Wie jeder Welpe muss Kibou noch vieles lernen. Stubenreinheit, an der Leine laufen, Autofahren, Haushaltsgeräusche, Besucher, Ruhe halten und auch einmal für kurze Zeit alleine bleiben sind keine Dinge, die ein junger Hund automatisch beherrscht. All das sollte kleinschrittig und mit Geduld aufgebaut werden. Ebenso wichtig sind genügend Schlaf und Ruhephasen – ein Welpe muss nicht ständig beschäftigt werden.

Und auch die Pubertät wird irgendwann kommen. Dann kann bereits Gelerntes plötzlich wieder infrage gestellt werden, die Konzentration schwanken und Gerüche oder andere Hunde können auf einmal deutlich interessanter sein als der Mensch am anderen Ende der Leine. Das ist ein normaler Teil der Entwicklung. Liebevolle Konsequenz, klare Strukturen und ein bisschen Humor helfen durch diese Zeit deutlich besser als Druck oder Strafe.

Für einen blinden Hund sind feste Abläufe und Orientierung besonders wichtig. Möbel sollten nicht ständig umgestellt, Treppen und andere Gefahrenstellen zunächst gesichert und neue Bereiche gemeinsam erschlossen werden. Klare Worte und Geräuschsignale können Kibou helfen, sich sicher zu orientieren. Auch Spaziergänge und Training sind möglich – nur eben mit etwas mehr Umsicht, Zeit und Vertrauen. Gerade weil Kibou zusätzlich möglicherweise Herdenschutzhund-Anteile mitbringt, wünschen wir uns für sie Menschen, die bereit sind, sich sowohl mit Blindheit als auch mit den möglichen rassetypischen Eigenschaften intensiv auseinanderzusetzen.

Optisch könnte bei Kibou ein Hütehund-Anteil mitgemischt haben. Hütehunde wurden ursprünglich für die enge Zusammenarbeit mit dem Menschen und das selbstständige Kontrollieren und Lenken von Herden gezüchtet. Entsprechend können sie sehr aufmerksame, intelligente und lernfreudige Hunde sein, die ihre Umgebung genau beobachten und Veränderungen schnell wahrnehmen. Je nachdem, welche Gene sich bei Kibou tatsächlich zeigen, könnten mit zunehmendem Alter auch eine gewisse Sensibilität gegenüber Umweltreizen, ein ausgeprägter Bewegungsreiz oder hütetypisches Verhalten deutlicher werden.

Für Kibou wünschen wir uns daher Menschen, die Freude daran haben, sich mit ihrer Hündin zu beschäftigen und sie sowohl körperlich als auch geistig angemessen auszulasten. Dabei sollte es nicht darum gehen, ständig für Action zu sorgen – gerade bei einem aufmerksamen Hund sind Ruhephasen und das Erlernen von Entspannung ebenso wichtig. Klare, faire Regeln, eine verlässliche Führung und eine Erziehung ohne Härte geben ihr Orientierung und Sicherheit.

Eine positiv arbeitende Hundeschule, gerne mit Erfahrung mit Hütehunden oder deren Mischlingen, kann Kibou und ihre Menschen auf diesem Weg sinnvoll begleiten. Welche Rassen tatsächlich in ihr stecken und welche Eigenschaften sich später entwickeln werden, lässt sich aufgrund ihrer Optik natürlich nicht sicher vorhersagen.

Da Kibou noch im Wachstum ist, können wir ihre spätere Größe und endgültige Entwicklung nicht zuverlässig vorhersagen. Wer sich für sie entscheidet, sollte deshalb nicht nur den niedlichen Welpen sehen, sondern auch die erwachsene Hündin, die einmal aus ihr werden wird.

Kibou ist gechipt, geimpft, entwurmt und entfloht. Sie ist ab Ende Oktober ausreisebereit und reist mit ihrem EU-Heimtierausweis. Sie wird nach positiver Vorkontrolle, mit Schutzvertrag und gegen Schutzgebühr vermittelt. Auch über eine geeignete Pflegestelle würden wir uns für sie freuen.

Vielen Dank an die Namenspatin Gabi M., die Kibou ihren Namen geschenkt hat.

Stand: 17.09.2026

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