Streuner Shaggy versteht die Welt nicht mehr.
Shaggy sitzt im Shelter von Bistrița und versteht die Welt nicht mehr. Jahre lang war er ein Streuner, frei, selbstbestimmt und mitten im Leben. Unsere Helfer kannten ihn schon seit mindestens drei Jahren von der Straße. Dort war er nicht irgendein Hund, sondern der Anführer seiner Gruppe. Ein stattlicher Rüde, dem die anderen folgten, souverän, präsent und in seiner Welt zuhause. Und dann kam alles anders. Shaggy wurde von den Hundefängern eingefangen und plötzlich war da kein Rudel mehr, keine Freiheit, keine vertrauten Wege und keine Möglichkeit, Abstand zu nehmen. Nur Gitter, Lärm und Stress.
Im Shelter ist Shaggy eingeschüchtert, fast, als hätte jemand sein ganzes Selbstvertrauen in einem Moment ausgelöscht. Dabei ist er ein wunderschöner Hund. Sein schwarz-weißes Fell macht ihn zu einem richtigen Hingucker und seine warmen braunen Augen erzählen eine Geschichte, die man nicht in Worte fassen kann. Eine Mischung aus Fragezeichen, Traurigkeit und vorsichtiger Hoffnung.
Aktuell ist Shaggy ängstlich und zurückgezogen. Man kann ihn im Moment nicht anfassen. Er hält Abstand, weicht aus und braucht vor allem eines, um nicht weiter zuzumachen: Zeit. Shaggy ist kein Hund, von dem man jetzt schon etwas erwarten darf. Er muss nicht funktionieren, er muss nicht sofort vertrauen und er muss auch nicht direkt alles lernen. Was Shaggy gerade braucht, ist ein Ort, an dem er erstmal wieder atmen kann. Ein sicherer Rahmen mit Menschen, die ihn einfach sein lassen, ohne Druck, ohne Erwartungen und ohne ständig an ihm herumzuarbeiten.
Gerade Hunde wie Shaggy, die lange frei gelebt haben, brauchen häufig etwas länger, um sich an ein Leben mit Menschen zu gewöhnen. Sie sind klug, wachsam und eigenständig. Vertrauen muss man sich verdienen, und zwar nicht mit Zwang, sondern mit Ruhe, Verlässlichkeit und positiver Verstärkung. Wenn Shaggy verstanden hat, dass ihm niemand etwas will, kann sich vieles verändern. Doch bis dahin gilt, jeder Schritt zählt. Schon wenn er stehen bleibt, wenn ein Mensch in der Nähe ist. Wenn er nicht flüchtet. Wenn er sich vielleicht eines Tages traut, ein Leckerli zu nehmen. Aus solchen Momenten entsteht Vertrauen.
Für Shaggy wünschen wir uns Menschen, die Erfahrung mit Angsthunden haben oder bereit sind, sich dieses Wissen anzueignen. Menschen, die Körpersprache lesen können, die Stresssignale erkennen und respektieren und die verstehen, dass Liebe nicht immer streicheln bedeutet, sondern manchmal einfach nur da sein. Ein ruhiger Haushalt, ein sicher eingezäunter Garten und vielleicht auch ein souveräner Ersthund könnten ihm helfen, schneller Sicherheit zu finden. Eine positiv arbeitende Hundeschule kann später sinnvoll sein, sobald Shaggy bereit dafür ist. Am Anfang geht es aber nicht um Kommandos, sondern um Bindung.
Shaggy reist kastriert, gechipt, geimpft, entwurmt und entfloht. Er bringt seinen EU-Heimtierausweis mit und kann nach positiver Vorkontrolle und gegen eine Schutzgebühr von 500 Euro in sein neues Zuhause ziehen. Auch eine erfahrene Pflegestelle als Sprungbrett würde Shaggy sicherlich helfen.
Wer sieht in Shaggy nicht den scheuen Hund im Shelter, sondern den stolzen Straßenhund, der nur gerade den Boden unter den Pfoten verloren hat und endlich jemanden braucht, der ihm hilft, ihn wiederzufinden?
Vielen Dank an Gritt, du hast Shaggy seinen besonderen Namen geschenkt.
Stand: 25.01.2026
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